Montag, 4. Dezember 2006

Angst und Schrecken in...Salzburg II.

Ich irrte eine Weile ziellos durch die Straßen dieser mir so fremd erscheinenden Stadt, auf der Suche nach einem Taxi oder einer Stelle, die ich wiedererkennen könnte. Nach einiger Zeit fand ich Schilder, die zum Bahnhof führten und folgte ihnen. Wie sich herausstellte war das doch ein recht weiter Weg. Meine Zigaretten-Versorgung neigte sich dem Ende zu, ich war erschöpft und die Kratzer auf meiner Haut begannen unangenehm zu brennen und zu jucken. Verdammte Christen-Nazis! Verdammte Dornenhecke! Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war, es war schon seit einiger Zeit dunkel, ich schätzte also auf knapp halb 10. Das Viertel, das ich durchquerte, machte mir ein wenig Angst - sehr dunkel, kaum Straßenlaternen, kaum Autos. Von Zeit zu Zeit hörte ich ganz in der Nähe einen Hund bellen, jedesmal beantwortet durch ein aufheulen aller Hunde des Viertels. Ich fühlte mich verfolgt und wurde panisch - ich steigerte mein Tempo und ging bald in verzweifelten Laufschritt über. Das hielt ich nicht lange durch, bereits zwei Straßen weiter stand ich keuchend an der Straßenecke und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Ich steckte mir meine letzte Zigarette an und fühlte mich elendig alt und ausgelaugt.
Erst jetzt bemerkte ich, dass der Bahnhof bereits in Sichtweite war. Ich versuchte mich zu beruhigen und schlenderte dann über die letzte Kreuzung und betrat den Bahnhof. Nachdem ich mich mit dem Notwendigsten versorgt hatte, versuchte ich jemanden zu finden, der mir einen Tipp geben konnte, wo man hier in Salzburg gemütlich bei guter Musik was trinken kann. Die meisten Leute die ich ansprach sahen mich nur leicht angewidert an und ignorierten meine Frage, bis ich schließlich zwei junge Mädchen, ich schätzte sie auf ungefähr zwanzig, ansprach. Sie sagten, sie wären gerade auf dem Weg zu einem recht netten Laden, sie könnten mir den Weg zeigen. Ich nahm dankend an. Wir machten uns auf den Weg und sie fragren mich, wie ich hieße, woher ich kam und was mit meiner Kleidung und meinem Gesicht passiert ist. Ich erzählte die ganze Geschichte von anfang an, verschwieg nur dezent, dass ich eine zukünftige Nonne angemacht hatte.
So verging die Zeit recht schnell und wir betraten bald das "Bricks". Obwohl nicht besonders viel los war, stand der Rauch in dichten Schwaden im ganzen Lokal. Ich und meine beiden Begleiterinnen suchten uns einen Tisch, gleich darauf kamen noch Freunde von den beiden hinzu. Ich trank viel, gab zwei drei Runden aus - kann ich mir ja alles als Spesen bezahlen lassen. Ich war herrlich betrunken und horchte den Erzählungen der um mich sitzenden. Viele hatten ihre ganz eigene Geschichte zum Thema Sekten zu erzählen - da war zum Beispiel der Typ, dessen Schwester von ihrem Mann gezwungen wurde, sich Opus Dei anzuschließen. Oder das Mädchen, das mal eine Freundin zu Loretto begleitet hatte und ganz ähnliches zu erzählen hatte wie ich es erlebt habe..scheinbar ist die Sekten-Problematik, gerade in Salzburg, stärker ausgeprägt als ich es für möglich gehalten hatte. Irgendwann wurde die ganze Gesellschaft hochphilosophisch, was im betrunkenen Zustand ja immer recht interessant ist. Es wurde von die Wahrhaftigkeit der Religion und religiöse Wahrheit gesprochen, vom Finden und Erreichen einer Wahrheit, die einem etwas fürs Leben bringt..mein Beitrag zu der Diskussion war die Anmerkung, dass der Mensch im Prinzip nicht auf der Suche nach der Wahrheit ist, sie eigentlich gar nicht erreichen will - aus Angst vielleicht dass sie ihm nicht gefällt, keine Ahnung. Er ist vielmehr auf der Suche nach immer neuen Lügen, die ihn befriedigen - kurzfristig oder längerfristig. Und eine solche längerfristige Lüge ist halt die Religion. Naja, ich war, wie gesagt, betrunken.
Der Abend neigte sich langsam dem Ende hin, die ersten waren schon auf dem Weg nach Hause und ich dachte auch langsam daran zu gehen. Alleine allerdings wollte ich nicht gehen..eines der beiden Mädchen, die mich hierher geführt hatten war schon den ganzen Abend nicht von meiner Seite gewichen, immer näher an mich heran gerückt und nun unterm Tisch ihre Hand auf meinen Oberschenkel gelegt. Sie hieß Anna, war recht klein und zierlich und hatte lange schwarze Haare und war alles in allem sehr hübsch. Da ich nicht unhöflich sein wollte, nahm ich sie natürlich mit auf mein Zimmer.
Am nächsten Morgen ließen wir uns Frühstück aufs Zimmer kommen und alberten noch ein wenig herum. "Wie alt bist du eigentlich?" fragte sie. Ich sah sie verwundert an, dachte ich doch, ihr das schon lange gesagt zu haben. "Zu jung um meine Biographie zu schreiben, zu alt um ewig jung zu bleiben sozusagen..aber hab ich dir das nicht eh schon längst gesagt?" - "Nein hast du nicht - also wie alt jetzt?" - "34." antwortete ich und fügte hinzu: "Und du? Dein Alter hast du mir ja, wenn ich mich recht erinnere, bis jetzt auch verschwiegen". "Rat doch mal!" - "Naja keine Ahnung..20? 21 vielleicht?" - "Naja..nicht ganz..ich..werde bald 17" antwortete sie. Verdammt, dachte ich, verdammt verdammt verdammt, das hat mir gerade noch gefehlt. Ich sah mich schon vor Gericht stehen wegen Verführung einer Minderjährigen. Sie aber lachte kurz auf, als sie meinen entsetzten Gesichtsausdruck sah. "Ach komm, das is ja wohl echt kein Problem. Wir haben doch nur ein wenig Spaß gehabt - spricht erstens nichts dagegen, zweitens muss ja keiner davon erfahren" fügte sie beruhigend hinzu. Zur Gänze beruhigt war ich dadurch zwar nicht, aber immerhin schien sie die Situation nicht ausnutzen zu wollen. Bald darauf musste sie nach Hause und ich ging ins Hotelrestaurant um zu Mittag zu essen. Danach machte ich mich auf den Weg, kaufte mir ein neues weißes Hemd im H&M und etwas Make-Up um die größeren Kratzer in meinem Gesicht zu überschminken. Später an diesem Tag sollte ich ein Interview mit dem Sprecher der Zeugen Jehovas in Salzburg führen..war schon sehr gespannt, wie das wohl enden würde..

Fortsetzung folgt...vielleicht

..whatever

Just because you're paranoid, don't mean they're not after you

Neo-Gonzo'esque Seltsamkeiten und andere Absurditäten

<% layout.image name="Bild1Tov1" %>

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

dankeschön, freut mich...
dankeschön, freut mich sehr. (hihi, ein grass der...
Kunstloses Brot - 19. Okt, 15:51
deine kommentare sind...
deine kommentare sind von backen-errötender qualität,...
Kunstloses Brot - 15. Okt, 20:28
hihihi
1. tolle geschichte... und das wichtigere 2. unglaublich...
clautschi (Gast) - 15. Okt, 13:57
das letzte hat was
das letzte, wie du sagst in sich geschlossene, ja das...
clautschi (Gast) - 15. Okt, 13:51
Das ist Leben eben
Immer schwerer kann ich des Eindrucks mich erwehren,...
Kunstloses Brot - 12. Okt, 14:18

Suche

 

Status

Online seit 7142 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 13. Jul, 11:41

Werbung sozusagen


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren