Angst und Schrecken in...Salzburg?
Salzburg, Stadt Mozarts, Stadt meiner kümmerlichen und verkorksten Jugend. Lange her, dass ich sie betreten habe, aber Job ist nunmal Job. Religiöse und andere Sekten in Österreich untersuchen haben sie gesagt. Eine Reportage schreiben, selbst an Veranstaltungen teilnehmen. Und da Salzburg gewissermaßen die Keimzelle alles religiosöm in Österreich ist stand ich vor dem Hotel Mozart. Bin mit dem Taxi vom Bahnhof gekommen. Ich weiß nicht, vielleicht täusche ich mch, aber ich denke, solche Taxifahrer gibt es nur in Salzburg. Kaum saß ich im Wagen, begann er schon, mich auszufragen warum ich hier bin, wie lange ich zu bleiben gedenke und woher ich komme. Aus Wien, sagte ich, auf die anderen Fragen nicht eingehend. "Ah, a Weana oiso - hob i ma do glei docht - vom Dialekt her wissens" meinte er, nicht ohne hinzuzufügen: "Na, letzte Woch'n hom de unsrigen eire Rapidler jo gonz sche fertig gmocht, ha?" Ich starrte nur aus dem Fenster, von mir als Zeichen, dass mich das einen Scheiß interessiert gedacht, für ihn wohl ein Zeichen tiefer Trauer und Beschämung. "No, sans doch ned glei so. So schlimm is des a ned." - "Ja, da haben sie recht". Damit war er wohl zufrieden, sagte jedenfalls nichts mehr. Zumindest bis kurz bevor wir das Hotel erreichten. "No, und falls' amoi a bissl an Spaß hom woin, do drübn, do is glei des Pascha. I sog erna, die bestn Hurn von Soizburg." Nahm ich kopfnickend zur Kenntnis in dem Bewusstsein, die Fahrt gleich hinter mir zu haben.
Das Hotelzimmer war ganz nett, recht spartanisch eingerichtet zwar, aber das Bett war groß und bequem. Ich setzte mich an den Schreibtisch um meinen Aufenthalt zu planen. Am nächsten Tag sollte ich mich in so einem Pfarrheim einfinden, wo ich in einer einführenden Veranstaltung von Loretto beiwohnen sollte. Loretto ist wohl so ne Art innerkirchliche katholischer Sekte, auf Maria zentriert. Ich legte also gleich mal mein in Wien neu gekauftes weißes Hemd heraus, das ich anziehen wollte, um meinen guten Willen zu beweisen. Muss ja nicht gleich auf den ersten Blick erstichtlich sein, dass ich ein verdammter Sünder bin. Die nächsten vier Tage bis zum Ende des Wochenendes sollte ich jeden Tag einer solchen Veranstaltung, von verschiedenen Gruppen, beiwohnen. Wenigstens die Abende waren nicht verplant (da müssen die ganzen Sektenmenschen dann wohl schon schlafen). Aber wie ich die Abende nutzen soll, darübe rwar ich mir nicht im klaren. Ich befand mich schließlich in Salzburg, was könnte man da schon großartig machen. Draußen wurde es dunkel. Ohne müde zu sein ging ich ins Bett und schlief irgendwann ein.
Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und ging frühstücken und spazieren, danach aß ich zu Mittag und ging auf mein Zimmer. Ich zog mich um (Weißes Hemd, Anzughose, glänzende Schühchen), kämmte mich gründlichst. Nachdem ich gut zehn Minuten lang belustigt und ein wenig erschrocken mein Spiegelbild angestarrt hatte, machte ich mich auf den Weg - mit dem Bus, in ein salzburger Taxi bringt mich so schnell keiner mehr. Als ich beim Pfarrheim ankam sah ich schon zahlreiche Christenvisagen die mir ein strahlendes "Jesus-liebt-dich"-Lächeln entgegenschleuderten. Fast wollte ich schon die Flucht ergreifen, als ich sie sah: eine junge Frau, groß, schlank, blond. Ihre Brüste zeichneten sich deutlich unter ihrer Bluse ab. Ich fragte mich, ob sie ein Mitglied dieser..Vereinigung war und beschloss, dem auf den Grund zu gehen. Und vielleicht für meinen Artikel zu recherchieren. Wenn dazu noch Zeit bleibt. Ich bekam leider noch keine Gelegenheit, sie anzusprechen, denn in diesem Moment rief der Anführer der Lorettos seine Schäfchen nach drinnen. Ich trat als letzter in den Raum, der mit gut dreißig Leuten recht gut gefüllt war. Hinter mir wurden die Türen geschlossen und, zu meinem Erstaunen und Entsetzen, auch verriegelt. Sessel standen in dem Raum, in einem Kreis aufgestellt. Ich setzte mich und beobachtete die Leute um mich. Jede Altersgruppe war vertreten, allerdings waren für mich erstaunlich viele junge Menschen darunter - gut die Hälfte war wohl unter zwanzig. Das blonde Mädchen ging zu allen Anwesenden und bat sie, sich zu setzen. Dann begann der Anführer, ein gewisser Bruder Paul, eine stark einstudiert wirkende Rede oder Predigt von sich zu geben. Diese zog sich über etliche Viertelstunden hin. Ich nutzte die Zeit und versuchte, mit dem Mädchen Blickkontakt herzustellen, leider ohne Erfolg. Sie hing dem Typen an den Lippen und nickte in unregelmäßigen Abständen, ließ sich sogar ab und an zu einem zustimmenden "Amen!" hinreißen. Doch noch gab ich nicht auf. Nachdem der Prediger fertig war wurden Liederzettel ausgeteilt. Jeder sollte mitsingen, irgendjemand begleitete das ganze auf der Gitarre. Ich sah mir das ganze mit zunehmender Belustigung, die ich unter einem ernsten Gesichtsausdruck zu verbergen versuchte, an, sang aber nicht selbst mit - das kann ja nun wirklich niemand von mir verlangen. Nach gut halbstündigen Singern und gemeinsamen Beten war "Pause" - wir wurden für einige Zeit entlassen, es standen Brote, Kuchen und Getränke - leider weder Alkohol noch Kaffee - bereit. Als ich gerade meinen Almdudler trinkend an einem Tisch stand, schwebte das blonde Mädchen an mich heran. "Geht es ihnen denn nicht gut? Ich habe gesehen, dass sie während wir gesungen und gebetet haben die ganze Zeit sehr traurig waren. Wollen sie sich mir oder Bruder Paul nicht anvertrauen?" Ihr anvertrauen also, aha aha. "Ja wissen sie, vielen Dank, aber ich glaube sie können mir da nicht wirklich helfen" sagte ich und versuchte traurig, und nicht auf ihre Brüste zu schauen - was mir bei Gott nicht leichtfiel. Ich erzählte ihr schließlich irgendwas, das ich meinen Job verloren habe und schrecklich einsam bin und so verlogene Scheiße eben. Sie tröstete mich, indem sich mich in den Arm nahm. Ich spürte ihre großen Brüste an meinem Körper und drückte sie gegen mich. Ich war unglaublich geil und es fiel mir schwer, auch weiterhin traurig auszusehen. Ich fragte sie schließlich, ob sie denn jemanden hätte. "Ja, ich habe Jesus und Maria, die können ihnen mit Sicherheit auch helfen!" sagte sie. Ein Lachen unterdrückend erwiderte ich "Nein, einen Mann an ihrer Seite, einen nicht sphärisch-ätherischen meine ich." Sie war darauf etwas eingeschnappt und sagte nein, denn sie habe vor nächstes Jahr ins Kloster zu gehen. Ich stand nur da mit offenem Mund und stammelte vor mich hin, sie ging aber weg, denn die Veranstaltung neigte sich dem großen Finale zu: Übermannsgroße Marienbildnisse wurden im Raum aufgestellt und mit Spots beleuchtet. Das restliche Licht wurde gedimmt. Auf Befehl ihres Anführers hin knieten sich die Lorettos dann vor eines der Bildnisse und schrien ekstatisch und wie besessen auf, liefen dann von Bildnis zu Bildnis und warfen sich vor jedem auf den Boden, küssten ihn, küssten das Bild und hörten nicht auf herumzuwuseln wie Maden in einer verwesenden Ratte. Das Grauen das ich empfand war unbeschreiblich - voller Ekel wendete ich mich ab, versteckte mich in der dunkelsten Ecke des Raumes und wartete, bis es zu Ende war.
Danach wurde das Licht wieder aufgedreht und alle setzten sich nochmal kurz hin. Alle waren völlig verschwitzt und trugen einen selig-doof-naiven Gesichtsausdruck spazieren. Bruder Paul verabschiedete sich von allen und wünschte ihnen eine schöne Woche, auf das sie sich wiedersehen, Gott gehe mit euch, blabla. Draußen sprach ich das Mädchen nochmals an, fragte sie ganz direkt: "Soll das heißen, dass sie in ihrem ganzen Leben keinen Sex haben wollen?" - "Ja, so ist es", antwortete sie, "Jesus soll der einzige Mann in meinem Leben sein. Gott will es so." Ich brabbelte, halb nur zu mir, aber doch laut genug, dass sie es hören konnte, dass das doch das reinste Verbrechen wäre, einen so wunderbaren Körper der Menschheit vorzuenthalten. Sie sah mich angewidert an, ging zu einigen ihrer..Ordensgenossen oder wie auch immer man das nennen soll. Die Vibrations wurden langsam ungemütlich - ich beschloss sehr schnell zu verschwinden. Einen Sprung durch eine stachelige Hecke und einen Sprint über gut zweihundert Meter später hatte ich sie abgehängt. Ich zündete mir keuchend eine Zigarette an, schlenderte mit zerschlissenem Hemd und zerkratztem Gesicht durch die dunklen Straßen dieser Stadt und überlegte, was ich mit dem angebrochenen Abend noch anstellen wollte...
Fortsetzung folgt...wahrscheinlich
Das Hotelzimmer war ganz nett, recht spartanisch eingerichtet zwar, aber das Bett war groß und bequem. Ich setzte mich an den Schreibtisch um meinen Aufenthalt zu planen. Am nächsten Tag sollte ich mich in so einem Pfarrheim einfinden, wo ich in einer einführenden Veranstaltung von Loretto beiwohnen sollte. Loretto ist wohl so ne Art innerkirchliche katholischer Sekte, auf Maria zentriert. Ich legte also gleich mal mein in Wien neu gekauftes weißes Hemd heraus, das ich anziehen wollte, um meinen guten Willen zu beweisen. Muss ja nicht gleich auf den ersten Blick erstichtlich sein, dass ich ein verdammter Sünder bin. Die nächsten vier Tage bis zum Ende des Wochenendes sollte ich jeden Tag einer solchen Veranstaltung, von verschiedenen Gruppen, beiwohnen. Wenigstens die Abende waren nicht verplant (da müssen die ganzen Sektenmenschen dann wohl schon schlafen). Aber wie ich die Abende nutzen soll, darübe rwar ich mir nicht im klaren. Ich befand mich schließlich in Salzburg, was könnte man da schon großartig machen. Draußen wurde es dunkel. Ohne müde zu sein ging ich ins Bett und schlief irgendwann ein.
Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und ging frühstücken und spazieren, danach aß ich zu Mittag und ging auf mein Zimmer. Ich zog mich um (Weißes Hemd, Anzughose, glänzende Schühchen), kämmte mich gründlichst. Nachdem ich gut zehn Minuten lang belustigt und ein wenig erschrocken mein Spiegelbild angestarrt hatte, machte ich mich auf den Weg - mit dem Bus, in ein salzburger Taxi bringt mich so schnell keiner mehr. Als ich beim Pfarrheim ankam sah ich schon zahlreiche Christenvisagen die mir ein strahlendes "Jesus-liebt-dich"-Lächeln entgegenschleuderten. Fast wollte ich schon die Flucht ergreifen, als ich sie sah: eine junge Frau, groß, schlank, blond. Ihre Brüste zeichneten sich deutlich unter ihrer Bluse ab. Ich fragte mich, ob sie ein Mitglied dieser..Vereinigung war und beschloss, dem auf den Grund zu gehen. Und vielleicht für meinen Artikel zu recherchieren. Wenn dazu noch Zeit bleibt. Ich bekam leider noch keine Gelegenheit, sie anzusprechen, denn in diesem Moment rief der Anführer der Lorettos seine Schäfchen nach drinnen. Ich trat als letzter in den Raum, der mit gut dreißig Leuten recht gut gefüllt war. Hinter mir wurden die Türen geschlossen und, zu meinem Erstaunen und Entsetzen, auch verriegelt. Sessel standen in dem Raum, in einem Kreis aufgestellt. Ich setzte mich und beobachtete die Leute um mich. Jede Altersgruppe war vertreten, allerdings waren für mich erstaunlich viele junge Menschen darunter - gut die Hälfte war wohl unter zwanzig. Das blonde Mädchen ging zu allen Anwesenden und bat sie, sich zu setzen. Dann begann der Anführer, ein gewisser Bruder Paul, eine stark einstudiert wirkende Rede oder Predigt von sich zu geben. Diese zog sich über etliche Viertelstunden hin. Ich nutzte die Zeit und versuchte, mit dem Mädchen Blickkontakt herzustellen, leider ohne Erfolg. Sie hing dem Typen an den Lippen und nickte in unregelmäßigen Abständen, ließ sich sogar ab und an zu einem zustimmenden "Amen!" hinreißen. Doch noch gab ich nicht auf. Nachdem der Prediger fertig war wurden Liederzettel ausgeteilt. Jeder sollte mitsingen, irgendjemand begleitete das ganze auf der Gitarre. Ich sah mir das ganze mit zunehmender Belustigung, die ich unter einem ernsten Gesichtsausdruck zu verbergen versuchte, an, sang aber nicht selbst mit - das kann ja nun wirklich niemand von mir verlangen. Nach gut halbstündigen Singern und gemeinsamen Beten war "Pause" - wir wurden für einige Zeit entlassen, es standen Brote, Kuchen und Getränke - leider weder Alkohol noch Kaffee - bereit. Als ich gerade meinen Almdudler trinkend an einem Tisch stand, schwebte das blonde Mädchen an mich heran. "Geht es ihnen denn nicht gut? Ich habe gesehen, dass sie während wir gesungen und gebetet haben die ganze Zeit sehr traurig waren. Wollen sie sich mir oder Bruder Paul nicht anvertrauen?" Ihr anvertrauen also, aha aha. "Ja wissen sie, vielen Dank, aber ich glaube sie können mir da nicht wirklich helfen" sagte ich und versuchte traurig, und nicht auf ihre Brüste zu schauen - was mir bei Gott nicht leichtfiel. Ich erzählte ihr schließlich irgendwas, das ich meinen Job verloren habe und schrecklich einsam bin und so verlogene Scheiße eben. Sie tröstete mich, indem sich mich in den Arm nahm. Ich spürte ihre großen Brüste an meinem Körper und drückte sie gegen mich. Ich war unglaublich geil und es fiel mir schwer, auch weiterhin traurig auszusehen. Ich fragte sie schließlich, ob sie denn jemanden hätte. "Ja, ich habe Jesus und Maria, die können ihnen mit Sicherheit auch helfen!" sagte sie. Ein Lachen unterdrückend erwiderte ich "Nein, einen Mann an ihrer Seite, einen nicht sphärisch-ätherischen meine ich." Sie war darauf etwas eingeschnappt und sagte nein, denn sie habe vor nächstes Jahr ins Kloster zu gehen. Ich stand nur da mit offenem Mund und stammelte vor mich hin, sie ging aber weg, denn die Veranstaltung neigte sich dem großen Finale zu: Übermannsgroße Marienbildnisse wurden im Raum aufgestellt und mit Spots beleuchtet. Das restliche Licht wurde gedimmt. Auf Befehl ihres Anführers hin knieten sich die Lorettos dann vor eines der Bildnisse und schrien ekstatisch und wie besessen auf, liefen dann von Bildnis zu Bildnis und warfen sich vor jedem auf den Boden, küssten ihn, küssten das Bild und hörten nicht auf herumzuwuseln wie Maden in einer verwesenden Ratte. Das Grauen das ich empfand war unbeschreiblich - voller Ekel wendete ich mich ab, versteckte mich in der dunkelsten Ecke des Raumes und wartete, bis es zu Ende war.
Danach wurde das Licht wieder aufgedreht und alle setzten sich nochmal kurz hin. Alle waren völlig verschwitzt und trugen einen selig-doof-naiven Gesichtsausdruck spazieren. Bruder Paul verabschiedete sich von allen und wünschte ihnen eine schöne Woche, auf das sie sich wiedersehen, Gott gehe mit euch, blabla. Draußen sprach ich das Mädchen nochmals an, fragte sie ganz direkt: "Soll das heißen, dass sie in ihrem ganzen Leben keinen Sex haben wollen?" - "Ja, so ist es", antwortete sie, "Jesus soll der einzige Mann in meinem Leben sein. Gott will es so." Ich brabbelte, halb nur zu mir, aber doch laut genug, dass sie es hören konnte, dass das doch das reinste Verbrechen wäre, einen so wunderbaren Körper der Menschheit vorzuenthalten. Sie sah mich angewidert an, ging zu einigen ihrer..Ordensgenossen oder wie auch immer man das nennen soll. Die Vibrations wurden langsam ungemütlich - ich beschloss sehr schnell zu verschwinden. Einen Sprung durch eine stachelige Hecke und einen Sprint über gut zweihundert Meter später hatte ich sie abgehängt. Ich zündete mir keuchend eine Zigarette an, schlenderte mit zerschlissenem Hemd und zerkratztem Gesicht durch die dunklen Straßen dieser Stadt und überlegte, was ich mit dem angebrochenen Abend noch anstellen wollte...
Fortsetzung folgt...wahrscheinlich
Kunstloses Brot - 30. Nov, 13:54


