Spiritualität III.
Ich habe zu Beginn gesagt, dass ich nie viel über Spiritualität nachgedacht habe. Nun, das stimmt so nicht ganz: Ich habe bis vor kurzem nicht viel über Spiritualität nachgedacht. Wie es dazu kam, dass dieses mir vorher so gleichgültige Thema auf einmal an Bedeutung gewann? Auf die herkömmliche Art und Weise: Ich hatte Probleme, gesundheitlicher Art. Knapp zwei Monate, nachdem ich Lisa verlassen hatte, wurde ich in der Nacht in betrunkenem Zustand von einem Wagen erfasst: Unfall mit Fahrerflucht. Der Täter ist bis heute nicht gefunden und ich lag mit komplizierten Arm- und Beinbrüchen sowie einer starken Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen am ganzen Körper im Krankenhaus. Ich konnte von Glück sagen, dass meine inneren Organe keinen Schaden davongetragen hatten, allerdings äußerte der Arzt mir gegenüber die Vermutung, dass es notwendig sein könnte, mein linkes Bein zu amputieren. Ich geriet in Panik und begann zu schreien und zu toben. Man musste mir starke Beruhigungsmittel spritzen. Und in diesem schrecklichen Moment, kurz bevor ich einschlief, schon halb im Delirium, einem Delirium des Schmerzes, der Angst und der Verzweiflung fand ich in mir etwas, dass ich nie zu finden erwartet hätte: Glaube, und die damit verbundene irrationale Hoffnung darauf, dass irgendwie schon alles gut wird. Ich wurde ganz ruhig, konzentrierte mich auf diesen kleinen Funken in mir, versuchte ihn zu stärken – und es gelang mir schließlich, die dunklen Tiefen der Verzweiflung zu erleuchten. Später sagte man mir, dass ich mit einem geradezu seligen Lächeln auf den Lippen eingeschlafen war.
Nun, mein Bein konnte schließlich gerettet werden, heute ist es mir wieder möglich, ohne jegliche Hilfsmittel zu laufen. Der kleine Funke jedoch, den ich in dieser dunklen Stunde entdeckt habe, den habe ich nicht wieder verloren. Der Gottesglaube, auf dem diese Hoffnung fußte, ist mir, wie den meisten Leuten, denen es gut geht, wieder verloren gegangen – und das ist auch gut so. Ich bete heute so wenig wie ich zuvor gebetet habe, besuche die niemals die Kirche, Pfaffen und frömmelnde Kirchgänger sind mir noch immer hochgradig suspekt. Und doch ist es schön zu wissen, dass dieser Funke irgendwo in mir ist und stärker werden kann, wenn ich ihn brauche. Man könnte meinen Glauben als opportunistisch bezeichnen, ich würde dem wohl zustimmen müssen – und es wäre mir egal. Denn was zählt ist letztendlich nur, dass man halbwegs glücklich durchs Leben zu gehen vermag. Und wenn ein wenig schizophrener Glaube einem dabei helfen kann, schwierige Zeiten zu überstehen, dann soll mir das nur recht sein.
...und nicht vergessen, Regel Numero Uno in der Literaturwissenschaft: Autor =/= Erzähler - oh, und nciht das Handtuch vergessen
Nun, mein Bein konnte schließlich gerettet werden, heute ist es mir wieder möglich, ohne jegliche Hilfsmittel zu laufen. Der kleine Funke jedoch, den ich in dieser dunklen Stunde entdeckt habe, den habe ich nicht wieder verloren. Der Gottesglaube, auf dem diese Hoffnung fußte, ist mir, wie den meisten Leuten, denen es gut geht, wieder verloren gegangen – und das ist auch gut so. Ich bete heute so wenig wie ich zuvor gebetet habe, besuche die niemals die Kirche, Pfaffen und frömmelnde Kirchgänger sind mir noch immer hochgradig suspekt. Und doch ist es schön zu wissen, dass dieser Funke irgendwo in mir ist und stärker werden kann, wenn ich ihn brauche. Man könnte meinen Glauben als opportunistisch bezeichnen, ich würde dem wohl zustimmen müssen – und es wäre mir egal. Denn was zählt ist letztendlich nur, dass man halbwegs glücklich durchs Leben zu gehen vermag. Und wenn ein wenig schizophrener Glaube einem dabei helfen kann, schwierige Zeiten zu überstehen, dann soll mir das nur recht sein.
...und nicht vergessen, Regel Numero Uno in der Literaturwissenschaft: Autor =/= Erzähler - oh, und nciht das Handtuch vergessen
Kunstloses Brot - 11. Apr, 23:26


