[Classic] - Holiday
Da ich gerade weder Inspiration noch Zeit finde, etwas zu schreiben und sowieso alles (okay, alles was halbwegs lesbar war), was ich auf MySpace veröffentlicht habe im Laufe der Zeit hierhin stellen will, hier mal ein Anfang. Im Original war das Ganze in vier Teile aufgeteilt, hier jetzt mal alles zusammen..ja ich weiß, zu lang um es am PC zu lesen. Aber wer es schon kennt braucht es ja nicht zu lesen - und wer es nicht kennt, naja...soll sich halt durchquälen wenn er/sie Lust hat.
Immer noch 320 Meilen bis nach Houston und kaum noch Benzin im Tank. Seit zwei Tagen sind wir nun schon auf der Flucht. Wir, das sind mein alter Freund Billy, das Arschloch Joe und Ich. Billy stand vor kurzem einfach so vor meiner Tür. Wann das war? Vor einem Monat? Vielleicht eineinhalb? Ein Jahr? Irrelevant. Jedenfalls stand er da vor der Tür meines Appartments im Norden St. Louis. Er sagte: "Hey, lange nicht gesehen, alles klar bei dir? Hab gehört du bist jetzt wieder solo." Wieder solo. Ja. Ja, so könnte man es auch sagen. Billy erzählte mir dann von seinem tollen Plan an die Ostküste zu fahren. Sprach von einem Job und einer billigen Unterkunft in guter Lage. Ich sagte ihm dass ich Jersey hasse und kein Interesse hätte, mal abgesehen davon, dass ich auch keine Zeit hatte. Musste ja arbeiten. In meiner verdammten Software-Firma.
Ein paar Worte zu meiner Firma: Sie hatte bisher nur einen einzigen finanziellen Erfolg - der dafür war gigantisch. Das war irgendwann Mitte der Neunziger. War eine der großen Hoffnungen in einem aufstrebenden Markt. Dann platzte die große New Economy-Seifenblase und heute ist sie dem Konkurs näher als George W. dem Wahnsinn. Im Nächsten Monat sollten wieder Stellen abgebaut werden. Ich zweifelte kaum daran dass meine eine davon sein würde.
Man sieht wohl, wohin das führte: Ich ließ mich überreden, ihn zu begleiten. Billy meinte dann, er habe kein Auto, ob wir nicht meines nehmen können. Tja, und jetzt sitzen wir immer noch in meinem verdammten '86 Buick. Ohne Klimaanlage. Irgendwo auf einem verdammten Highway mitten in Texas. Billy, Joe und ich. Wir sind längst am Ende und das waren wir gestern schon.
Joe? Joe ist ein verdammtes Arschloch. Ich und Billy haben ihn in Vegas aufgegabelt. Irgendwo in einer Bar sprach er uns an, wir waren betrunken, er war betrunken und irgendwie endete er in unserem Wagen. Billy meint er könnte uns irgendwie nützlich sein. Keine Ahnung was er damit meint. Ich meine er ist ein verdammtes Arschloch.
Seit drei Tagen sind wir auf der Flucht. Wenn Flucht das richtige Wort dafür ist. Es ist ja nicht so, als würden wir wirklich verfolgt werden..aber trotzdem war uns klar, dass man uns erwischen würde, eines Tages, vermutlich eher früher als später.
Warum wir auf der Flucht sind? Daran ist nur Joe schuld. Verdammtes Arschloch. Wir waren noch irgendwo in Nevada, mitten im nirgendwo, schon gut 200 Meilen von Las Vegas entfernt. Ihr kennt das ja sicher - man fährt so durch die Wüste und plötzlich steht eines dieser verdammten Indianer-Kasinos vor dir. Billy und Joe wollten kurz einen Drink an der Bar nehmen. Ich wollte einfach nur bis zum nächsten Motel - Ich saß nun schon knapp 5 Stunden am Steuer. Wann hatte ich das letzte Mal richtig gegessen? Gestern Abend? Den Abend davor? Man verliert den Überblick wenn man den ganzen Tag fährt und kifft, trinkt und fährt. Ich ließ mich also wieder mal überreden. Wir zahlten den Eintritt, bekamen unsere Welcome-Chips und - Drinks und setzten uns an die Bar. Ich bestellte mir einen Burger an der Bar von meinen Chips, die andern beiden gingen spielen. Ich war extrem beschissenen drauf, alle um mich herum schienen glücklich zu sein. Ich fühlte mich wie eine Zwiebel im Obstsalat. Billy und Joe waren beide gut 1300 $ los, noch bevor ich mit meinem Burger fertig war. Hatten beide ihre Kreditkarten hoffnungslos überzogen. Naja, nicht mein Problem. Was dagegen sehr wohl mein Problem war, war dass Joe begann, sich mitten im Casino einen Joint zu drehen und ihn sich anzündete. Es war vor allem deshalb mein Problem, weil wir knapp 2 Kilo Gras im Kofferraum hatten. Wenn er nun verhaftet wird, wird unser Auto durchsucht. Wird unser Auto durchsucht, sind wir gefickt. Und ich mag es nicht besonders, gefickt zu werden, es sei denn von einem hübschen Mädchen. Aber ich war schon ein wenig betrunken (war ich jemals nüchtern?), meine Reaktionsgabe war ziemlich eingeschränkt. Schon sah ich den Barkeeper telephonieren. Sprach mit dem Sicherheitsdienst. Wir liefen. Der Sicherheitsdienst verfolgte uns bis zum Auto. Wir fuhren.
Wir waren uns nicht sicher, ob sie die Polizei gerufen haben - aber es erschien sehr warhscheinlich. Wir dachten daran, den Wagen stehen zu lassen, aber mitten im nirgendwo, ohne Wagen und ohne Karte und einem Koffer voller Gras - wohl eher nicht. Wir brauchten den verdammten Wagen einfach. Aber wir beschlossen, nach Houston zu fahren und uns dort einen neuen Wagen zu besorgen.
Und so fahren wir nun immer noch. Und der Benzin neigt sich dem Ende zu. Wir sind längst am Ende und das warn wir gestern schon.
Tankstelle.
Der einzige Gedanke hinter meiner Stirn.
Tankstelle.
Der Motor begann schon langsam zu stottern. Ich hörte Billy und Joe das Auto beschwören, noch ein paar Kilometer durchzuhalten. Aber ich wusste, dass wir es nicht schaffen werden. Ich spürte wie der Vortrieb langsam nachließ. Der Wagen rollte aus. Mitten in der verdammten texanischen Wüste bei gut 40° im Schatten (haha) rollte der verdammte Wagen aus. Warum musste ich auch auf Billy und Joe hören? Bei der letzten Gelegenheit waren sie sich sicher, dass wir es noch zur nächsten Tankstelle schaffen. Soweit war das auch richtig. Das einzige Problem an der Sache war, dass die nächste Tankstelle stillgelegt war. Und jetzt gehen wir mit Koffer und Kanister auf der verdammt nochmal einsamsten Straße der USA und können nur hoffen, bis zur Nacht irgendwo hin zu kommen. Ich spürte, wie mir die Hitze den Alkohol aus allen Poren presste, wie ich langsam aber sicher nüchtern wurde. Als wäre die Situation nicht schon beschissen genug. Ich kochte innerlich. Ich wollte nach Hause. Oder noch besser: Billy und Joe zu Schädel spalten und dann nach Hause. Mir wurde bewusst, dass mein Leben etwas aus der Bahn geraten ist, seitdem Billy bei mir angeklopft hat. Wie hat er mich eigentlich gefunden? Wir haben uns doch seit dem College nicht mehr gesehen. Das war sogar noch, bevor ich Cecilia kennengelernt hatte.
Cecilia..Cecilia war wunderschön. Ich habe sie kennengelernt, gleich nachdem ich mit dem College fertig war. Ich war arbeitslos, zu faul um Bewerbungsschreiben zu verfassen und Gespräche zu führen, noch zu rebellisch um in irgendwelche Ärsche zu kriechen und jeden Tag den gleichen scheiß Job zu machen. Sie arbeitete in einer Kneipe, bei meinen Eltern gleich um die Ecke. Sie war ein paar Jahre älter als ich, aber das machte uns nichts aus. Wir liebten uns und wollten zusammen bleiben. Sie hat einen besseren Menschen aus mir gemacht, hat es geshcafft, mich zur Arbeit zu ermutigen, mich unterstützt den Job zu bekommen, den ich bis vor kurzem noch hatte. Cecilia..
"Alles okay mit dir?" Billy. Ich hörte seine Stimme von weit her. Er ging neben mir, den Benzinkanister in der Hand. Ich sah ihn an, aber es war, als würde ich durch ihn hindurch sehen. Ich war in meinem eigenen kleinen Universum des Schmerzes, des Hasses und der Hitze. "Mein Gott Mann, du machst mir ja Angst. Hier, trink einen Schluck." Tequilla. Billiger Fusel, aus einem Truckstop. Er würde seinen Zweck erfüllen. Ich trank. Ich verließ die Hölle des Hasses und kehrte zurück in mein wohlig warmes, vom Alkohol geschaffenes Refugium. Plötzlich sah ich sie vor mir. Klar und deutlich, kaum 20 Meter entfernt. Cecilia. Ich begann zu laufen, und rannte dann mit voller Kraft. Ich konnte sie nicht erreichen, sie schien ein Spiel mit mir spielen zu wollen. Aber ich würde sie schon noch erreichen. Ich würde...Ich würde...Ich......
An dieser Stelle ist es wohl angebracht, ein wenig von meiner Vergangenheit zu erzählen. Ich wuchs in einem kleinen christlichen Vorort von San Francisco auf. Meine Eltern hatten sich dort ein großes Haus mit einem kleinen, geschniegelten Garten gekauft, kurz bevor ich das Licht der Welt erblickte. Die Nachbarschaft gefiel ihnen sehr gut. Mir allerdings gingen die bigotten Spießer und christlichen Fundamentalisten, aus den unsere Nachbarschaft bestand schon sehr früh gegen den Strich. Als ich zwölf Jahre alt war, wurde ich zum ersten Mal von der Polizei nach Hause gebracht, von da an war unsere Familie, trotz aller Bemühungen meiner Eltern, insbesondere meiner Mutter, bei den Nachbarn verpöhnt. Nie wieder wurden wir auf eine von Reverand Carlyles berühmten Barbeques eingeladen, die gesellschaftlichen Höhepunkte und wohl lautesten Abenden in unserer Straße. Der Reverand war ein fetter kleiner Bastard mit bösen, stierenden Schweinsaugen und, wie ich später vermutete, einer etwas zu großen Vorliebe für kleine Jungen und Mädchen. Er hasste mich vom ersten Augenblick an, als ich zum ersten Mal zu ihm zur Beichte geschickt wurde. Er meinte, ich habe einen aufmüpfigen und überheblichen Gesichtsausdruck, und als ich behauptete, dass ich mir nichts zu Schulden kommen lassen habe (*phew* deutsch is immer wieder eine Herausforderung), brüllte er, dass mir meine Eltern wohl keine Manieren beigebracht hätten. Naja. Priester.
Wie es kam, dass ich von der Polizei nach Hause begleitet wurde? Eine verdammte Lapalie. Ich spazierte nur so gelangweilt durch unsere Straße und näherte mich einem Fußgängerübergang. Ich war schon zwei Schritte darauf, als ich einen Wagen sich sehr schnell von rechts nähern sah. Der Fahrer war mit irgendetwas im Inneren seines Autos beschäftigt, vermutlich wechselte er gerade den Sender seines Radios oder holte sich einen runter, was auch immer. Jedenfalls näherte er sich dem Zebrastreifen, auf dem ich mich befand und erst im letzten Augenblick, blickte er auf und sah mich. Er musste scharf abbremsen, um noch vor mir stehenbleiben zu können. Ich war geschockt und starr vor Angst. Anstatt in irgendeiner Weise seinerseits erschrocken zu sein, war der Fahrer des Wagens wütend. Mit hochrotem Kopf saß er dort hinterm Steuer seiner fetten Karosse und hupte unentwegt. Das brachte mich derart auf die Palme, das ich spontan beschloss, den Weg nicht freizumachen, sondern einfach stehenzubleiben und ihm auf die Windschutzscheibe zu spucken. Als er versuchte, an mir vorbeizufahren, ging ich einfach ein paar Schritte in die Richtung, in die er fuhr. So ging das etwa eine Minute, mir ging schon die Spucke aus, als der Typ ausstieg und auf mich zubrauste. Ich beschloss, nicht davonzulaufen. Dieser Entschluss wurde mir nicht schwer gemacht, da der Typ nur ungefähr gleich groß war wie ich, das dürfte zu dieser Zeit nur 160cm gewesen sein, und unglaublich schmächtig. Er stürmte also auf mich zu und brüllte rum. Ich trat ihm, als er mich erreicht hatte, so fest ich konnte gegen das Schienbein. Daraufhin hopste er auf einem Bein umher und brüllte und tobte. Er hat mein Bild von Rumpelstilzchen nachhaltig geprägt. Ich wollte mich gerade auf den Heimweg machen, als ein Polizeiwagen um die Ecke bog. Tja, blöd gelaufen. Der Typ wollte mich noch anzeigen, überlegte es sich dann aber anders, als die Polizei ihn daran erinnerte, dass er es war, der mit 70 Meilen im Blindflug durch die 35 Meilen-Zone raste, wie Radarbilder belegten. Verdammtes Arschloch, einsperren hätte man ihn sollen.
Hoho, jaaa ich war schon ein kleiner Rebell in diesen Tagen. Ich muss mir dafür nachträglich selbst auf die Schulter klopfen. Vielleicht sollte ich mir auch noch ein Geschenk kaufen und eine kleine Party für mich feiern.
Es sollte nicht das letzte Mal sein ,dass ich in meiner Jugend mit den Gesetzeshütern in Kontakt trat. Ein Ereignis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ich war 16 und es waren gerade Sommerferien. Meine Eltern hatten mich förmlich dazu gezwungen, in dieser schönsten Zeit des Jahres zu arbeiten. Ich erledigte also so dies und das in der Nachbarschaft, führte die dämlichen Kläffer, mähte die Rasen und wusch die Autos unserer Nachbarn. Eines Tages, gegen Ende der Ferien, es wurde schon langsam etwas kühler an den Abenden, mähte ich am späten Nachmittag den Rasen bei den O'Learys, unseren Nachbarn von schräg gegenüber. Der Rasen war riesig, wie auch das Haus. Mr. O'Leary war irgendein hohes Tier im Stadtrad von San Francisco und ein möglicher Kandidat für das Amt des Bürgermeister bei der nächsten Wahl. Er war damals um die 45 Jahre alt und seine Frau hatte erst vor vier Monaten ihr erstes Kind zur Welt gebracht, einen Jungen. Mrs. O'Leary war 33 und verdammt heiß. Ich hatte noch nie mit einer Frau geschlafen, aber wenn ich mir zu Hause einen runterholte dachte ich meistens an sie. Sie hat mir erzählt, das sie früher mal ein Model war, aber aus anderen Quellen habe ich erfahren, dass sie erst vor kurzem damit aufgehört hatte, Pornofilme zu drehen. Ich war damals davon überzeugt, dass sie mich anmachen wollte. Wann immer ich zu ihnen kam, um ihren Rasen zu mähen oder sonstwas zu erledigen, lag sie im Garten hinterm Haus auf einer Liege und sonnte sich, meist mit nacktem Oberkörper. Ich musste mich sehr bemühen, nicht ständig auf ihre vollen Brüste zu starren, wenn sie mir Anweisungen gab. Wie auch immer, ich ging also wie so oft rüber, um den Rasen zu mähen und ging, wie ich es immer tat, direkt durch den Garten nach hinten. Als ich dort niemanden fand, ging ich auf die Veranda und klopfte an die Tür. Sie schwang auf, aber es schien niemand zu Hause zu sein. Ich beschloss, mich ins Wohnzimmer zu setzen und zu warten ,bis jemand kommt. Ich hatte ja schließlich verdammt nochmal den Auftrag, den Rasen zu mähen und ich brauchte das Geld dringend für das kommende Wochenende. Nach einiger Zeit, es muss fast eine Stunde gewesen sein, zumindest kam es mir so vor, ging auf die Toilette, die sich im ersten Stock befand. Gerade als ich mich zum scheißen hinsetzte, hörte ich, wie jemand die Tür aufschloss und lautstark eintrat. Ich erkannte die Stimme von Mrs. O'Leary, aber der Mann, mit dem sie srpach, war ganz sicher nicht ihr Mann. Ich hörte die beiden unanständige Worte wechseln und war völlig perplex. Ich konnte ja kaum einfach so nach unten spazieren, Mrs. O'Leary und ihren Lover kurz begrüßen und dann abzischen. "Hi, keine Sorge, ich bin nur der Junge von gegenüber, vögeln sie ruhig weiter" - klar. Ich saß als hier oben fest, dazu verdammt mitanzuhören, wie es die Beiden dort unten trieben. Nach meinen, zu diesem Zeitpunkt sehr beschränkten, Kenntnissen schien es ihnen sehr viel Freude zu bereiten. Ich versuchte, mich irgendwie abzulenken, aber ich konnte mich einfach nicht von dem Gedanken losreißen, dass meiner scharfen Nachbarin dort unten gerade das Hirn aus dem Schädel gevögelt wurde. Nach knapp einer halben Stunde, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte das Stöhnen unter mir seinen Höhepunkte, wurde danach leiser und hörte schließlich ganz auf. Kurz darauf musste ich mit Schrecken feststellen, dass jemand die Treppen nach oben stieg. Ich nahm an, dass sich wohl einer der beiden eine Dusche gönnen wollen würde. In dem Badezimmer in dem ich mich befand. Ich geriet in Panik und stieß die Tür auf, um das Zimmer fluchtartig zu verlassen. Allerdings hatte ich mich wohl ein wenig verschätzt, denn als ich gerade aus dem Zimemr kam, stand plötzlich ein nackter Zwei-Meter-Schrank - Marke Türsteher - direkt vor mir. Das war das letzte, was ich sah, bevor er mich mit einem Schlag niederstreckte. Ich wurde von der Polizei nach Hause gebracht. Ich bekam danach ein Jahr lang jeden Monat etwas Schadensersatz, von Mrs. O'Leary für mein Schweigen bezahlt. Damit hatte sich das Thema "arbeiten" für mich für einige Zeit erledigt, kann einfach nichts gutes dabei raus kommen.
Mein erstes Mal war ein Kapitel für sich. Ich kann es wohl getrost als eines der ekelhaftesten Ereignisse meines Lebens bezeichnen, und ich dass obwohl zweimal mitansehen musste, wie ein Bush ins weiße Haus einzog. Ich war gerade 16 geworden und wurde immer noch von Mrs. O'Leary mehr oder weniger ausgehalten. Ein wunderbares Jahr muss ich sagen, aber dazu später mehr. Mein erstes Mal also. Es war ein Wochenende, es wurde gerade Frühling, es war glaube ich der erste warme Tag des Jahres .Ich und ein paar Freunde aus der Highschool (ich nenne sie hier der Einfachheit halber Freunde, obwohl ich zu dieser Zeit nie engen Kontakt zu irgendjemanden pflegte. Aber Freunde ist einfach schöner und kürzer als „Personen mit denen ich mich herumtrieb und Spaß hatte, denen ich mich aber emotional nie nahe fühlte") zogen um die Häuser und fuhren im Cabrio von Jacks Vater durch die Vorstädte, auf der Suche nach irgendetwas, das unser Interesse weckte. Zu dieser Zeit luden wir uns häufig selbst zu Partys ein, die wir im vorbeifahren sahen, was oft zu ziemlich absurden Ereignissen führte. Wir fuhren also wie so oft durch die Vorstädte, und wie so oft fanden wir auch diesmal ein Haus, das auf subtile Art und Weise in die Welt schrie, dass es an diesem Abend nur von Jungen Menschen, die Spaß hatten bevölkert wurde, und nicht wie sonst von verdammten Jesusfreaks. Die Musik war nicht besonders laut, aber auf jeden Fall ansprechend. Zu dieser Zeit standen wir total auf die Ramones, die New York Dolls und wie diese Proto-Punk-Bands alle hießen. Beschissen schlechte Musik, aber einfach perfekt für Partys wie diese. Wir stellten unseren Wagen direkt vor dem Haus ab und stürmten die Bude mit lautem Geschrei, dass sich unterwegs in manisches Gelächter entwickelte. Wir waren total high, also ist das wohl verständlich. Die bereits anwesenden (geladenen) Gäste sahen uns recht verschreckt an, versuchten aber gar nicht, uns davon abzuhalten uns Bier und was zum Essen zu holen. Die Gastgeberin war ein ungefähr 14 Jahre altes Mädel, und man sah ihr an, dass sie eine Party dieses Ausmaßes nicht geplant hatte. Aber was soll's, selbst Schuld. Hätte sie mal lieber auf ihre Eltern gehört und wäre brav zu Hause gesessen und hätte sich die Filme angesehen, die ihre Eltern ihr geholt hatten. Meine Freunde und ich hatten jedenfalls sehr viel Spaß. Die Gastgeberin verfiel in der Zwischenzeit immer mehr in Panik und wollte alle rauswerfen. Ich hielt sie fest und sagte ihr, sie solle sich abregen. „Setz dich hin und trink einfach was, dann bist du sicher gleich etwas entspannter". Und entspannt wurde sie, nach ein paar Kurzen und einem Bier war ihr die Verwüstung, die in ihrem Haus angerichtet wurde jedenfalls herzlich egal. Sie wurde sogar so entspannt, dass sie mir immer mehr auf die Pelle rückte, mich auf die Couch stieß und sich auf mich setzen wollte und solche Sachen. Das ganze verängstigte mich ein wenig. Ich hatte mit solchen Dingen noch keine Erfahrung. Außerdem war ich high und wurde langsam etwas paranoid – die letzte halbe Stunde habe ich damit verbracht, die Stehlampe kritisch zu beäugen. Ich vermutete, dass diese nur Tarnung sei und sich dahinter einer dieser verdammten Drogenfahnder befand. Ich kam nie dazu, diese Annahme zu überprüfen, denn im nächsten Augenblick wurde ich von der Gastgeberin (in Ermangelung ihres echten Namens nennen ich sie einfach mal „Lucy") schon die Stufen nach oben in ihr Zimmer gezogen. Lucys Zimmer war riesig, vollgestellt mit Puppen und Teddybären und vor allem eines: pink. Die Wände: pink. Die Bettwäsche: pink. Sogar ihre gottverdammte Stereoanlage war pink verdammt noch mal. Das Grauen das ich empfand war unbeschreiblich. Ich versuchte zu fliehen, aber irgendwie könnte ich mich nicht von ihr losreißen. Meine Hormone mussten mich wohl zurückgehalten haben. Jedenfalls merkte sie, dass mir in ihrem Zimmer etwas unwohl war und wir gingen ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Wir setzten uns auf die Bettkante und sie lallte irgendwas von wegen ihre Eltern würden sie umbringen. Mir war das herzlich egal. „das ist ja schrecklich", sagte ich, „aber keine Sorge, ich helfe die morgen früh beim aufräumen". Hoho, ich war ein verdammter kleiner Lügner. Sie war mir jedenfalls so dankbar für diese Worte und mein Trösten, dass sie begann sich auszuziehen, bis sie nackt und etwas schwankend vor mir stand. Naja, ich will jetzt nicht näher darauf eingehen was dann geschah, nur soviel: irgendwann, kurz bevor ich am kommen war, wurde sie plötzlich völlig bleich und erbrach sich dann über den Kopfpolstern ihrer Eltern. Völlig angewidert sprang ich von ihr runter und aus dem Bett, zog mich so schnell wie möglich an und ging nach unten. Das Haus war ein einziges Schlachtfeld, aber was viel schlimmer war: ich musste feststellen, dass meine Freunde ohne mich gefahren waren. Es war ungefähr halb zwei und ich einige Meilen von zu Hause entfernt. Wie auch immer, einige Zeit später sank ich jedenfalls ins Bett und schlief ein mit der Überzeugung, dass Drogen sehr viel befriedigender waren als Sex. Später sollte ich feststellen, dass das nicht ganz stimmte.
Immer noch 320 Meilen bis nach Houston und kaum noch Benzin im Tank. Seit zwei Tagen sind wir nun schon auf der Flucht. Wir, das sind mein alter Freund Billy, das Arschloch Joe und Ich. Billy stand vor kurzem einfach so vor meiner Tür. Wann das war? Vor einem Monat? Vielleicht eineinhalb? Ein Jahr? Irrelevant. Jedenfalls stand er da vor der Tür meines Appartments im Norden St. Louis. Er sagte: "Hey, lange nicht gesehen, alles klar bei dir? Hab gehört du bist jetzt wieder solo." Wieder solo. Ja. Ja, so könnte man es auch sagen. Billy erzählte mir dann von seinem tollen Plan an die Ostküste zu fahren. Sprach von einem Job und einer billigen Unterkunft in guter Lage. Ich sagte ihm dass ich Jersey hasse und kein Interesse hätte, mal abgesehen davon, dass ich auch keine Zeit hatte. Musste ja arbeiten. In meiner verdammten Software-Firma.
Ein paar Worte zu meiner Firma: Sie hatte bisher nur einen einzigen finanziellen Erfolg - der dafür war gigantisch. Das war irgendwann Mitte der Neunziger. War eine der großen Hoffnungen in einem aufstrebenden Markt. Dann platzte die große New Economy-Seifenblase und heute ist sie dem Konkurs näher als George W. dem Wahnsinn. Im Nächsten Monat sollten wieder Stellen abgebaut werden. Ich zweifelte kaum daran dass meine eine davon sein würde.
Man sieht wohl, wohin das führte: Ich ließ mich überreden, ihn zu begleiten. Billy meinte dann, er habe kein Auto, ob wir nicht meines nehmen können. Tja, und jetzt sitzen wir immer noch in meinem verdammten '86 Buick. Ohne Klimaanlage. Irgendwo auf einem verdammten Highway mitten in Texas. Billy, Joe und ich. Wir sind längst am Ende und das waren wir gestern schon.
Joe? Joe ist ein verdammtes Arschloch. Ich und Billy haben ihn in Vegas aufgegabelt. Irgendwo in einer Bar sprach er uns an, wir waren betrunken, er war betrunken und irgendwie endete er in unserem Wagen. Billy meint er könnte uns irgendwie nützlich sein. Keine Ahnung was er damit meint. Ich meine er ist ein verdammtes Arschloch.
Seit drei Tagen sind wir auf der Flucht. Wenn Flucht das richtige Wort dafür ist. Es ist ja nicht so, als würden wir wirklich verfolgt werden..aber trotzdem war uns klar, dass man uns erwischen würde, eines Tages, vermutlich eher früher als später.
Warum wir auf der Flucht sind? Daran ist nur Joe schuld. Verdammtes Arschloch. Wir waren noch irgendwo in Nevada, mitten im nirgendwo, schon gut 200 Meilen von Las Vegas entfernt. Ihr kennt das ja sicher - man fährt so durch die Wüste und plötzlich steht eines dieser verdammten Indianer-Kasinos vor dir. Billy und Joe wollten kurz einen Drink an der Bar nehmen. Ich wollte einfach nur bis zum nächsten Motel - Ich saß nun schon knapp 5 Stunden am Steuer. Wann hatte ich das letzte Mal richtig gegessen? Gestern Abend? Den Abend davor? Man verliert den Überblick wenn man den ganzen Tag fährt und kifft, trinkt und fährt. Ich ließ mich also wieder mal überreden. Wir zahlten den Eintritt, bekamen unsere Welcome-Chips und - Drinks und setzten uns an die Bar. Ich bestellte mir einen Burger an der Bar von meinen Chips, die andern beiden gingen spielen. Ich war extrem beschissenen drauf, alle um mich herum schienen glücklich zu sein. Ich fühlte mich wie eine Zwiebel im Obstsalat. Billy und Joe waren beide gut 1300 $ los, noch bevor ich mit meinem Burger fertig war. Hatten beide ihre Kreditkarten hoffnungslos überzogen. Naja, nicht mein Problem. Was dagegen sehr wohl mein Problem war, war dass Joe begann, sich mitten im Casino einen Joint zu drehen und ihn sich anzündete. Es war vor allem deshalb mein Problem, weil wir knapp 2 Kilo Gras im Kofferraum hatten. Wenn er nun verhaftet wird, wird unser Auto durchsucht. Wird unser Auto durchsucht, sind wir gefickt. Und ich mag es nicht besonders, gefickt zu werden, es sei denn von einem hübschen Mädchen. Aber ich war schon ein wenig betrunken (war ich jemals nüchtern?), meine Reaktionsgabe war ziemlich eingeschränkt. Schon sah ich den Barkeeper telephonieren. Sprach mit dem Sicherheitsdienst. Wir liefen. Der Sicherheitsdienst verfolgte uns bis zum Auto. Wir fuhren.
Wir waren uns nicht sicher, ob sie die Polizei gerufen haben - aber es erschien sehr warhscheinlich. Wir dachten daran, den Wagen stehen zu lassen, aber mitten im nirgendwo, ohne Wagen und ohne Karte und einem Koffer voller Gras - wohl eher nicht. Wir brauchten den verdammten Wagen einfach. Aber wir beschlossen, nach Houston zu fahren und uns dort einen neuen Wagen zu besorgen.
Und so fahren wir nun immer noch. Und der Benzin neigt sich dem Ende zu. Wir sind längst am Ende und das warn wir gestern schon.
Tankstelle.
Der einzige Gedanke hinter meiner Stirn.
Tankstelle.
Der Motor begann schon langsam zu stottern. Ich hörte Billy und Joe das Auto beschwören, noch ein paar Kilometer durchzuhalten. Aber ich wusste, dass wir es nicht schaffen werden. Ich spürte wie der Vortrieb langsam nachließ. Der Wagen rollte aus. Mitten in der verdammten texanischen Wüste bei gut 40° im Schatten (haha) rollte der verdammte Wagen aus. Warum musste ich auch auf Billy und Joe hören? Bei der letzten Gelegenheit waren sie sich sicher, dass wir es noch zur nächsten Tankstelle schaffen. Soweit war das auch richtig. Das einzige Problem an der Sache war, dass die nächste Tankstelle stillgelegt war. Und jetzt gehen wir mit Koffer und Kanister auf der verdammt nochmal einsamsten Straße der USA und können nur hoffen, bis zur Nacht irgendwo hin zu kommen. Ich spürte, wie mir die Hitze den Alkohol aus allen Poren presste, wie ich langsam aber sicher nüchtern wurde. Als wäre die Situation nicht schon beschissen genug. Ich kochte innerlich. Ich wollte nach Hause. Oder noch besser: Billy und Joe zu Schädel spalten und dann nach Hause. Mir wurde bewusst, dass mein Leben etwas aus der Bahn geraten ist, seitdem Billy bei mir angeklopft hat. Wie hat er mich eigentlich gefunden? Wir haben uns doch seit dem College nicht mehr gesehen. Das war sogar noch, bevor ich Cecilia kennengelernt hatte.
Cecilia..Cecilia war wunderschön. Ich habe sie kennengelernt, gleich nachdem ich mit dem College fertig war. Ich war arbeitslos, zu faul um Bewerbungsschreiben zu verfassen und Gespräche zu führen, noch zu rebellisch um in irgendwelche Ärsche zu kriechen und jeden Tag den gleichen scheiß Job zu machen. Sie arbeitete in einer Kneipe, bei meinen Eltern gleich um die Ecke. Sie war ein paar Jahre älter als ich, aber das machte uns nichts aus. Wir liebten uns und wollten zusammen bleiben. Sie hat einen besseren Menschen aus mir gemacht, hat es geshcafft, mich zur Arbeit zu ermutigen, mich unterstützt den Job zu bekommen, den ich bis vor kurzem noch hatte. Cecilia..
"Alles okay mit dir?" Billy. Ich hörte seine Stimme von weit her. Er ging neben mir, den Benzinkanister in der Hand. Ich sah ihn an, aber es war, als würde ich durch ihn hindurch sehen. Ich war in meinem eigenen kleinen Universum des Schmerzes, des Hasses und der Hitze. "Mein Gott Mann, du machst mir ja Angst. Hier, trink einen Schluck." Tequilla. Billiger Fusel, aus einem Truckstop. Er würde seinen Zweck erfüllen. Ich trank. Ich verließ die Hölle des Hasses und kehrte zurück in mein wohlig warmes, vom Alkohol geschaffenes Refugium. Plötzlich sah ich sie vor mir. Klar und deutlich, kaum 20 Meter entfernt. Cecilia. Ich begann zu laufen, und rannte dann mit voller Kraft. Ich konnte sie nicht erreichen, sie schien ein Spiel mit mir spielen zu wollen. Aber ich würde sie schon noch erreichen. Ich würde...Ich würde...Ich......
An dieser Stelle ist es wohl angebracht, ein wenig von meiner Vergangenheit zu erzählen. Ich wuchs in einem kleinen christlichen Vorort von San Francisco auf. Meine Eltern hatten sich dort ein großes Haus mit einem kleinen, geschniegelten Garten gekauft, kurz bevor ich das Licht der Welt erblickte. Die Nachbarschaft gefiel ihnen sehr gut. Mir allerdings gingen die bigotten Spießer und christlichen Fundamentalisten, aus den unsere Nachbarschaft bestand schon sehr früh gegen den Strich. Als ich zwölf Jahre alt war, wurde ich zum ersten Mal von der Polizei nach Hause gebracht, von da an war unsere Familie, trotz aller Bemühungen meiner Eltern, insbesondere meiner Mutter, bei den Nachbarn verpöhnt. Nie wieder wurden wir auf eine von Reverand Carlyles berühmten Barbeques eingeladen, die gesellschaftlichen Höhepunkte und wohl lautesten Abenden in unserer Straße. Der Reverand war ein fetter kleiner Bastard mit bösen, stierenden Schweinsaugen und, wie ich später vermutete, einer etwas zu großen Vorliebe für kleine Jungen und Mädchen. Er hasste mich vom ersten Augenblick an, als ich zum ersten Mal zu ihm zur Beichte geschickt wurde. Er meinte, ich habe einen aufmüpfigen und überheblichen Gesichtsausdruck, und als ich behauptete, dass ich mir nichts zu Schulden kommen lassen habe (*phew* deutsch is immer wieder eine Herausforderung), brüllte er, dass mir meine Eltern wohl keine Manieren beigebracht hätten. Naja. Priester.
Wie es kam, dass ich von der Polizei nach Hause begleitet wurde? Eine verdammte Lapalie. Ich spazierte nur so gelangweilt durch unsere Straße und näherte mich einem Fußgängerübergang. Ich war schon zwei Schritte darauf, als ich einen Wagen sich sehr schnell von rechts nähern sah. Der Fahrer war mit irgendetwas im Inneren seines Autos beschäftigt, vermutlich wechselte er gerade den Sender seines Radios oder holte sich einen runter, was auch immer. Jedenfalls näherte er sich dem Zebrastreifen, auf dem ich mich befand und erst im letzten Augenblick, blickte er auf und sah mich. Er musste scharf abbremsen, um noch vor mir stehenbleiben zu können. Ich war geschockt und starr vor Angst. Anstatt in irgendeiner Weise seinerseits erschrocken zu sein, war der Fahrer des Wagens wütend. Mit hochrotem Kopf saß er dort hinterm Steuer seiner fetten Karosse und hupte unentwegt. Das brachte mich derart auf die Palme, das ich spontan beschloss, den Weg nicht freizumachen, sondern einfach stehenzubleiben und ihm auf die Windschutzscheibe zu spucken. Als er versuchte, an mir vorbeizufahren, ging ich einfach ein paar Schritte in die Richtung, in die er fuhr. So ging das etwa eine Minute, mir ging schon die Spucke aus, als der Typ ausstieg und auf mich zubrauste. Ich beschloss, nicht davonzulaufen. Dieser Entschluss wurde mir nicht schwer gemacht, da der Typ nur ungefähr gleich groß war wie ich, das dürfte zu dieser Zeit nur 160cm gewesen sein, und unglaublich schmächtig. Er stürmte also auf mich zu und brüllte rum. Ich trat ihm, als er mich erreicht hatte, so fest ich konnte gegen das Schienbein. Daraufhin hopste er auf einem Bein umher und brüllte und tobte. Er hat mein Bild von Rumpelstilzchen nachhaltig geprägt. Ich wollte mich gerade auf den Heimweg machen, als ein Polizeiwagen um die Ecke bog. Tja, blöd gelaufen. Der Typ wollte mich noch anzeigen, überlegte es sich dann aber anders, als die Polizei ihn daran erinnerte, dass er es war, der mit 70 Meilen im Blindflug durch die 35 Meilen-Zone raste, wie Radarbilder belegten. Verdammtes Arschloch, einsperren hätte man ihn sollen.
Hoho, jaaa ich war schon ein kleiner Rebell in diesen Tagen. Ich muss mir dafür nachträglich selbst auf die Schulter klopfen. Vielleicht sollte ich mir auch noch ein Geschenk kaufen und eine kleine Party für mich feiern.
Es sollte nicht das letzte Mal sein ,dass ich in meiner Jugend mit den Gesetzeshütern in Kontakt trat. Ein Ereignis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ich war 16 und es waren gerade Sommerferien. Meine Eltern hatten mich förmlich dazu gezwungen, in dieser schönsten Zeit des Jahres zu arbeiten. Ich erledigte also so dies und das in der Nachbarschaft, führte die dämlichen Kläffer, mähte die Rasen und wusch die Autos unserer Nachbarn. Eines Tages, gegen Ende der Ferien, es wurde schon langsam etwas kühler an den Abenden, mähte ich am späten Nachmittag den Rasen bei den O'Learys, unseren Nachbarn von schräg gegenüber. Der Rasen war riesig, wie auch das Haus. Mr. O'Leary war irgendein hohes Tier im Stadtrad von San Francisco und ein möglicher Kandidat für das Amt des Bürgermeister bei der nächsten Wahl. Er war damals um die 45 Jahre alt und seine Frau hatte erst vor vier Monaten ihr erstes Kind zur Welt gebracht, einen Jungen. Mrs. O'Leary war 33 und verdammt heiß. Ich hatte noch nie mit einer Frau geschlafen, aber wenn ich mir zu Hause einen runterholte dachte ich meistens an sie. Sie hat mir erzählt, das sie früher mal ein Model war, aber aus anderen Quellen habe ich erfahren, dass sie erst vor kurzem damit aufgehört hatte, Pornofilme zu drehen. Ich war damals davon überzeugt, dass sie mich anmachen wollte. Wann immer ich zu ihnen kam, um ihren Rasen zu mähen oder sonstwas zu erledigen, lag sie im Garten hinterm Haus auf einer Liege und sonnte sich, meist mit nacktem Oberkörper. Ich musste mich sehr bemühen, nicht ständig auf ihre vollen Brüste zu starren, wenn sie mir Anweisungen gab. Wie auch immer, ich ging also wie so oft rüber, um den Rasen zu mähen und ging, wie ich es immer tat, direkt durch den Garten nach hinten. Als ich dort niemanden fand, ging ich auf die Veranda und klopfte an die Tür. Sie schwang auf, aber es schien niemand zu Hause zu sein. Ich beschloss, mich ins Wohnzimmer zu setzen und zu warten ,bis jemand kommt. Ich hatte ja schließlich verdammt nochmal den Auftrag, den Rasen zu mähen und ich brauchte das Geld dringend für das kommende Wochenende. Nach einiger Zeit, es muss fast eine Stunde gewesen sein, zumindest kam es mir so vor, ging auf die Toilette, die sich im ersten Stock befand. Gerade als ich mich zum scheißen hinsetzte, hörte ich, wie jemand die Tür aufschloss und lautstark eintrat. Ich erkannte die Stimme von Mrs. O'Leary, aber der Mann, mit dem sie srpach, war ganz sicher nicht ihr Mann. Ich hörte die beiden unanständige Worte wechseln und war völlig perplex. Ich konnte ja kaum einfach so nach unten spazieren, Mrs. O'Leary und ihren Lover kurz begrüßen und dann abzischen. "Hi, keine Sorge, ich bin nur der Junge von gegenüber, vögeln sie ruhig weiter" - klar. Ich saß als hier oben fest, dazu verdammt mitanzuhören, wie es die Beiden dort unten trieben. Nach meinen, zu diesem Zeitpunkt sehr beschränkten, Kenntnissen schien es ihnen sehr viel Freude zu bereiten. Ich versuchte, mich irgendwie abzulenken, aber ich konnte mich einfach nicht von dem Gedanken losreißen, dass meiner scharfen Nachbarin dort unten gerade das Hirn aus dem Schädel gevögelt wurde. Nach knapp einer halben Stunde, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte das Stöhnen unter mir seinen Höhepunkte, wurde danach leiser und hörte schließlich ganz auf. Kurz darauf musste ich mit Schrecken feststellen, dass jemand die Treppen nach oben stieg. Ich nahm an, dass sich wohl einer der beiden eine Dusche gönnen wollen würde. In dem Badezimmer in dem ich mich befand. Ich geriet in Panik und stieß die Tür auf, um das Zimmer fluchtartig zu verlassen. Allerdings hatte ich mich wohl ein wenig verschätzt, denn als ich gerade aus dem Zimemr kam, stand plötzlich ein nackter Zwei-Meter-Schrank - Marke Türsteher - direkt vor mir. Das war das letzte, was ich sah, bevor er mich mit einem Schlag niederstreckte. Ich wurde von der Polizei nach Hause gebracht. Ich bekam danach ein Jahr lang jeden Monat etwas Schadensersatz, von Mrs. O'Leary für mein Schweigen bezahlt. Damit hatte sich das Thema "arbeiten" für mich für einige Zeit erledigt, kann einfach nichts gutes dabei raus kommen.
Mein erstes Mal war ein Kapitel für sich. Ich kann es wohl getrost als eines der ekelhaftesten Ereignisse meines Lebens bezeichnen, und ich dass obwohl zweimal mitansehen musste, wie ein Bush ins weiße Haus einzog. Ich war gerade 16 geworden und wurde immer noch von Mrs. O'Leary mehr oder weniger ausgehalten. Ein wunderbares Jahr muss ich sagen, aber dazu später mehr. Mein erstes Mal also. Es war ein Wochenende, es wurde gerade Frühling, es war glaube ich der erste warme Tag des Jahres .Ich und ein paar Freunde aus der Highschool (ich nenne sie hier der Einfachheit halber Freunde, obwohl ich zu dieser Zeit nie engen Kontakt zu irgendjemanden pflegte. Aber Freunde ist einfach schöner und kürzer als „Personen mit denen ich mich herumtrieb und Spaß hatte, denen ich mich aber emotional nie nahe fühlte") zogen um die Häuser und fuhren im Cabrio von Jacks Vater durch die Vorstädte, auf der Suche nach irgendetwas, das unser Interesse weckte. Zu dieser Zeit luden wir uns häufig selbst zu Partys ein, die wir im vorbeifahren sahen, was oft zu ziemlich absurden Ereignissen führte. Wir fuhren also wie so oft durch die Vorstädte, und wie so oft fanden wir auch diesmal ein Haus, das auf subtile Art und Weise in die Welt schrie, dass es an diesem Abend nur von Jungen Menschen, die Spaß hatten bevölkert wurde, und nicht wie sonst von verdammten Jesusfreaks. Die Musik war nicht besonders laut, aber auf jeden Fall ansprechend. Zu dieser Zeit standen wir total auf die Ramones, die New York Dolls und wie diese Proto-Punk-Bands alle hießen. Beschissen schlechte Musik, aber einfach perfekt für Partys wie diese. Wir stellten unseren Wagen direkt vor dem Haus ab und stürmten die Bude mit lautem Geschrei, dass sich unterwegs in manisches Gelächter entwickelte. Wir waren total high, also ist das wohl verständlich. Die bereits anwesenden (geladenen) Gäste sahen uns recht verschreckt an, versuchten aber gar nicht, uns davon abzuhalten uns Bier und was zum Essen zu holen. Die Gastgeberin war ein ungefähr 14 Jahre altes Mädel, und man sah ihr an, dass sie eine Party dieses Ausmaßes nicht geplant hatte. Aber was soll's, selbst Schuld. Hätte sie mal lieber auf ihre Eltern gehört und wäre brav zu Hause gesessen und hätte sich die Filme angesehen, die ihre Eltern ihr geholt hatten. Meine Freunde und ich hatten jedenfalls sehr viel Spaß. Die Gastgeberin verfiel in der Zwischenzeit immer mehr in Panik und wollte alle rauswerfen. Ich hielt sie fest und sagte ihr, sie solle sich abregen. „Setz dich hin und trink einfach was, dann bist du sicher gleich etwas entspannter". Und entspannt wurde sie, nach ein paar Kurzen und einem Bier war ihr die Verwüstung, die in ihrem Haus angerichtet wurde jedenfalls herzlich egal. Sie wurde sogar so entspannt, dass sie mir immer mehr auf die Pelle rückte, mich auf die Couch stieß und sich auf mich setzen wollte und solche Sachen. Das ganze verängstigte mich ein wenig. Ich hatte mit solchen Dingen noch keine Erfahrung. Außerdem war ich high und wurde langsam etwas paranoid – die letzte halbe Stunde habe ich damit verbracht, die Stehlampe kritisch zu beäugen. Ich vermutete, dass diese nur Tarnung sei und sich dahinter einer dieser verdammten Drogenfahnder befand. Ich kam nie dazu, diese Annahme zu überprüfen, denn im nächsten Augenblick wurde ich von der Gastgeberin (in Ermangelung ihres echten Namens nennen ich sie einfach mal „Lucy") schon die Stufen nach oben in ihr Zimmer gezogen. Lucys Zimmer war riesig, vollgestellt mit Puppen und Teddybären und vor allem eines: pink. Die Wände: pink. Die Bettwäsche: pink. Sogar ihre gottverdammte Stereoanlage war pink verdammt noch mal. Das Grauen das ich empfand war unbeschreiblich. Ich versuchte zu fliehen, aber irgendwie könnte ich mich nicht von ihr losreißen. Meine Hormone mussten mich wohl zurückgehalten haben. Jedenfalls merkte sie, dass mir in ihrem Zimmer etwas unwohl war und wir gingen ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Wir setzten uns auf die Bettkante und sie lallte irgendwas von wegen ihre Eltern würden sie umbringen. Mir war das herzlich egal. „das ist ja schrecklich", sagte ich, „aber keine Sorge, ich helfe die morgen früh beim aufräumen". Hoho, ich war ein verdammter kleiner Lügner. Sie war mir jedenfalls so dankbar für diese Worte und mein Trösten, dass sie begann sich auszuziehen, bis sie nackt und etwas schwankend vor mir stand. Naja, ich will jetzt nicht näher darauf eingehen was dann geschah, nur soviel: irgendwann, kurz bevor ich am kommen war, wurde sie plötzlich völlig bleich und erbrach sich dann über den Kopfpolstern ihrer Eltern. Völlig angewidert sprang ich von ihr runter und aus dem Bett, zog mich so schnell wie möglich an und ging nach unten. Das Haus war ein einziges Schlachtfeld, aber was viel schlimmer war: ich musste feststellen, dass meine Freunde ohne mich gefahren waren. Es war ungefähr halb zwei und ich einige Meilen von zu Hause entfernt. Wie auch immer, einige Zeit später sank ich jedenfalls ins Bett und schlief ein mit der Überzeugung, dass Drogen sehr viel befriedigender waren als Sex. Später sollte ich feststellen, dass das nicht ganz stimmte.
Kunstloses Brot - 19. Jan, 15:10


