Freitag, 12. Januar 2007

Assassini

Das Multiversum, Heimat unzähliger Welten, bestehend aus einer Vielzahl von in sich gekrümmten Dimensionen. Kugelförmige Himmelskörper in den verschiedensten Farbtönen drehen sich gemächlich um riesige intergalaktische Brennöfen, ein millionenfach sich wiederholendes Bild bestehend aus sphäroiden Fels- und Gaskörpern – wer angesichts einer solch zermürbenden Eintönigkeit noch ernsthaft an einen Schöpfer glauben kann Verdient großen Respekt (und sollte, wie alles die Realität derart verneinende, mit größter Vorsicht betrachtet werden. Denn wer wirklich glaubt ist zu vielem fähig – vielleicht versetzt der Glaube zwar keine Berge, aber mit Sicherheit ist er imstande große Gebäude einstürzen zu lassen). Aber da es im Multiversum aufgrund seiner unendlichen Natur alles gibt, was man sich auch nur vorstellen kann, existiert auch die kleine, etwas aus dem Rahmen fallende Welt, auf der unsere kleine Geschichte sich abspielt.
Es ist die Scheibenwelt, Spiegel der Welten, getragen von vier Elefanten, welche wiederum am Rücken Groß-A-Tuins stehen, der (oder besser einer) Himmelsschildkröte, die langsam aber zielstrebig durchs All schwimmt.
Unsere Geschichte beginnt, wie so viele Geschichten, mit dem Läuten einer Türklingel. Nun, in diesem speziellen Fall handelte es sich eher um eine kleine Melodie – es klang, als würde eine Geige über die zahnige Seite einer Säge gezogen werden. Es war eine kalte und verregnete Nacht in Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Ankh-Morpork, viel wurde in der Literatur der Scheibenwelt über diese Stadt gesagt, doch keine Beschreibung war so treffend wie die, die der Stinkende Alte Ron, seines Zeichens Mitglied der Bettlergilde der Stadt, angesichts eines sehr erfolglosen Tages gab: „SchaschlickeintopfFüßeScheißHundElendes verdrecktes Dreckloch, niederbrennen sollst du, wie viel besser würde es der Welt gehen ohne dichMortillondrienschnizelstrunksbirnen“
Ankh-Morpork war eine Stadt des Überflusses. Vor allen Dingen bestand ein Überfluss an Schmutz, Ratten, Regen, Schmutz, Verbrechen, Tauben und, am allerschlimmsten, Menschen. Nicht zu vergessen Schmutz. Ja, an Schmutz herrschte ganz bestimmt kein Mangel.
Das Klingeln an der Tür verblieb nicht ungehört, bereits Sekunden später schwang die große, aus schwerem, alten Holz bestehende Tür nach innen auf und gab den Blick frei auf...nichts, so hatte es den Anschein. Doch wenn man sich konzentrierte und sich an die Dunkelheit gewöhnte, die im Inneren des Hauses herrschte, so mochte man vielleicht eine ganz in Schwarz gekleidete Gestalt erkennen, die aus dem Dunkeln nach draußen blickte. Es war dies der Oberaufseher der Gilde der Assassinen und Meuchelmörder, der in dieser Nacht auch die Funktion des Portiers zu erfüllen hatte. Sein Name war Daedulas Klemmstrick – ein Name, der jedem, der sich für die Geschichte der Assanssinen der Scheibenwelt interessierte, ein Begriff war. Er war es, der den dritten Omar von Quirm inhumierte, er war es auch, der seinerzeit im großen Streit der Adeligen (der gegen Ende hin allerdings immer kleiner wurde), am häufigsten zuschlagen durfte. Kein anderer Assassine hatte so viele Adelige auf dem Gewissen wie er. Doch dies war lange her, nun war er alt, hatte die Gicht in den Armen und sein linkes Bein blieb nach einem Unfall steif. Doch da die Verpflichtung, die man als Mitglied der Gilde trägt über die des einfachen Inhumierens hinausgehen, war er nun dazu verdammt, niedere Dienste zu leisten. „Keinen Respekt, diese verdammten jungen Hüpfer mit ihren modernen Armbrüsten und dem verdammten Sprengstoff und dem ganzen Schnickschnack. Zu meiner Zeit! Damals! Damals kannten wir so was ja nicht einmal! Bei uns war unsere Zunft nach eine Kunst! Wir konnten uns damals noch nicht darauf verlassen, dass unsere Technik alles für uns erledigt!“, pflegte er oft zu sagen, häufig beim Essen im großen Saal der Gilde. Bei ihm klang es so, als hätte er seine Klienten noch mit Faustkeilen ins Jenseits befördert.
Was Klemmstrick sah gefiel ihm nicht (aber alten Leuten gefällt im Prinzip kaum etwas – höchstens Bingo. Und An-Der-Kassa-Mit-Kleingeld-Bezahlen-Und-Eine-Halbe-Stunde-Dafür-Brauchen vielleicht auch noch), doch es war schon zu einem gewohnten Anblick geworden. Auf der Schwelle lag ein Korb.
Auf der Scheibenwelt kannte man das Wort „Verhütung“ nicht, weshalb es durchaus üblich war, Kinder, die man sich nicht leisten konnte, auszusetzen. Es mag barbarisch anmuten, doch besser als sie zu töten war es allemal, zumal es den Kindern in den Gilden nicht schlecht erging. Sie bekamen eine Ausbildung und eine warme Mahlzeit täglich – mehr als sich die durchschnittliche Familie in Ankh-Morpork leisten konnte. Einzig die Gilde der Assassinen weigerte sich, Kinder aufzunehmen – sie galt als elitär und wurde zu einem großen Teil von den Kindern von Adeligen aus Ankh-Morpork oder dem Ausland besucht. Arme Kinder waren also unerwünscht – was die Gilde der Meuchelmörder mit unerwünschten Gästen zu tun pflegt soll hier nicht näher ausgeführt werden.
Doch das Schicksal wollte es, dass in dieser Nacht der Portier einem schlimmen Fieber anheim gefallen war und so Klemmstrick seine Aufgaben zu übernehmen hatte. Doch Klemmstrick tat, was kaum jemand in der Gilde getan hätte – er nahm den Korb mit in das Haus. Dort strich er die Decke beiseite und sah das Gesicht eines Kindes, wohl kaum mehr als ein paar Tage alt, halb verhungert, aber schlafend wie ein Engel.
Wie sehr hatte er sich immer Kinder gewünscht. Doch aufgrund seiner zahlreichen und langen Auslandsaufenthalte gelang es ihm nie, eine Frau lange genug an sich zu binden. Er beschloss, nun einen kleinen Teil seines Lebens nachzuholen. Er starb 7 Tage später an einem Herzinfarkt.

..whatever

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Neo-Gonzo'esque Seltsamkeiten und andere Absurditäten

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