Donnerstag, 31. Mai 2007

Paranoia

Ich fühle mich verfolgt von einem affenartigen Wesen. Nie sah ich es von Nahem, nie deutlich vor mir, doch vermag ich es als gut menschengroßen Affen beschreiben, den die kräftigen langen Arme eines Orang-Utans mit dem Körperbau Madonnas verbindend - lange blonde Haare verdecken halb sein (oder ihr, da bin ich mir nicht ganz sicher) von Narben zerfurchtes Gesicht, die langen Reißzähne im geifernden Maul sowie die vorstechende, aggressive Nase vermögen sie allerdings nicht zu verbergen. Ständig leicht dieses Wesen hiner mir, nie zeigt es sich mir - stets verschwindet es, wenn ich in die Richtung blicke, in der ich es vermute, nur aus dem Augenwinkel vermag ich es von Zeit zu Zeit zu betrachten, erfüllt von Angst, der Panik nahe - doch ich weiß, sollte ich in Panik geraten, so ist es um mich geschehen. Alles, nur keine zu plötzlichen Bewegungen - noch ist sie (oder er) ein ganzes Stück entfernt, doch kommt sie näher? Sie kommt näher, nicht wahr!?
Den Gedanken an die Flucht unterdrückend gehe ich aber ruhig weiter durch die dunklen Straßen dieser Stadt, versuche, auf andere Gedanken zu kommen - welch schönen Schatten die von der Straßenlaterne beleuchtete riesenhafte Pagode auf den Sozialbau wirft! Doch niemals wird er verbergen können, was dahinter geschah, geschieht, geschehen wird - hinter den Fenstern zerschundene Seelen, vom goßen des Lebens Rad gemahlen, nur ein dünner Film mag noch übrig sein - kaum mehr vermag er, den blanken Hass auf alles Fremde zu verbergen. Wie gut es ihnen doch gehen würde, wenn es keine Fremden mehr gäbe in dieser Stadt, so denken sie vielleicht, doch das Wort denken ist hier wohl fehl am Platze - Empfindungen mögen es sein, vielleicht Instinkte - ein denkendes Wesen allerdings, so hoffe ich, vermag sich von solchen Empfindungen zu distanzieren.
Je schneller ich gehe, desto näher kommt mir das Wesen, so schießt es mir durch den Kopf wie eine Kugel, verdrängt alle anderen Gedanken, zerfetzt sie geradewegs - ein schreckliches Gefühl, nur diesen einen Gedanken im Kopf zu haben. Und doch gelingt es mir, der Panik nicht anheim zu fallen, meinen Schritt zu verlangsamen, fast schleichend bewege ich mich fort. Ich verspüre den Zwang, laut zu schreien, mich umzudrehen und das Wesen zu attackieren, so wie man oft den beängstigenen Drang verspürt, vor die in die Station einfahrende U-Bahn zu springen - oder dem Abgrund, in den blickt, entgegenzufallen. Doch wie so oft unterdrücke ich auch diesmal den Trieb, das Verlangen in mir - in der Gewissheit, dass ich es später bereuen würde. Wie jedesmal versuche ich mir einzureden, es wäre besser so, nie schaffe ich es völlig - und doch vermag ich es nie zu tun.
Nur noch ein paar hundert Meter, so denke ich, doch schiebe ich den Gedanken sogleich wieder beiseite, in der Angst, das Wesen könnte ihn spüren. Ich höre sie (oder ihn) nun ganz deutlich, nur wenige Meter hinter mir schlurft das ausgezehrte, vom Hunger getriebene Wesen. Fast vermag sich seinen stinkenden Atem in meinem Nacken fühlen, doch ist dies wahrscheinlich nur Einbildung - unmöglich, dass es sich so nah an mich herantraut, obwohl ich mich völlig unter Kontrolle halte. Und doch..
Was es wohl mit mir machen würde, so es mich erwischt, so denke ich, in der Hoffnung es durch meine Gedanken von mir fern zu halten - welch törichter Einfall. Würde es mich vielleicht zerfetzen, mein Blut trinken und sich in meinen Eingeweiden laben? Würde es mir den Schädel von den Schultern reißen und meinen Schädel als Suppenteller verwenden - eher unwahrscheinlich, denke ich, in mich hinein lächelnd. Würde es mir meine Gedanken, meine Kreativität, meine latente Todessehnsucht sowie meinen unerschütterlich-naiven Glauben an das Gute im Menschen rauben? Ich vernehme ein kehliges Knurren, direkt hinter meinen rechten Ohr - ich nehme das Mal als ein ja, so denke ich, meinen Schritt dezent beschleunigend, die letzten paar Meter sowie die Türschwelle hitner mich bringend - endlich geschafft endlich zu Hause - mein Refugium, niemals wird sie (oder er) hier eindringen.

..whatever

Just because you're paranoid, don't mean they're not after you

Neo-Gonzo'esque Seltsamkeiten und andere Absurditäten

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