Montag, 14. Mai 2007

Der Flaneur

In letzter Zeit ertappe ich mich immer wieder dabei, zu spazieren. Das mag jetzt zu mir passen wie Butter auf einen Rauhhaardackel, doch ist es auf eigentümlich-befreiende Art und Weise befriedigend um nicht zu sagen befriedend. Nun möchte ich natürlich nicht des, stark mit dem Spießbürgertum verwobenen "Spazierengehen" in Zusammenhang gebracht werden, wesahlb ich mich eher als baudelaire'schen Flaneur sehe. Der augenmerkliche Hauptunterschied liegt hierbei für mich darin, dass das Flanieren in Einsamkeit und für mich selbst geschieht, während das Spazierengehen wohl eher eine soziale, oft zweisame Tätigkeit darstellt, bei der über Belanglosigkeiten palavert und nicht über Belangvolligkeiten paldovert wird.
Nie fällt es mir so leicht, all die entrückend-verwirrenden Gedanken, die meinen Kopf in den letzten Tagen in so großer Zahl behausen zu entwirren, als beim gepflegten Flanieren über die Straßen und Plätzen dieser schrecklich-schönen Stadt (ja, der Bindestrich IST wichtig). Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass ich natürlich nicht des Flanierens wegen flaniere, dieser tautologischen Widerwärtigkeit entziehe ich mich, indem ich mir sage, dass ich rein von wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse getrieben mich fortbewege. Mein Interesse betrifft hierbei sowohl die unterschiedlichsten Ethnologien und ihr Bräuche und Sitten, die soziologisch-politische Lage in einer U-Bahn, die zahlreichen kleinen Kriegsschauplätze dieser Stadt sowie die neuesten Errungenschaften der Werbewirtschaft, sprich: ich sehe mir Menschen und Werbungen an.
Ein ganz besonderes Vergnügen bereitet es mir hierbei, die kleinen Rätsel, die einem der Alltag so oft stellt zu beantworten versuchen. Zum Beispiel: Übergewichtige Frau: Schwanger, ode doch nur fett? oder, beim Vorübergehen an den Schaufenstern eines überteuerten GEschäftes wie B&O - Minimalismus oder doch schon Konkurs? Immer diese abstruse Nervenkitzel dann genauer hinzusehen und des Rätsel Lösung versuchen zu eruieren, wunderbar.
Nun gibt es natürlich nicht nur schöne Dinge, die einem beim flanieren passieren, nein, oft fällt der Blick auch Plakate, die mich derart zu verwirren vermögen, dass ich den ganzen Tag an fast nichts anderes mehr denken kann. Wie Blutegel saugen sich die Gedanken fest, rammen ihre mit Widerhaken bewehrten Mäuler in die weiche Masse meines Hirns mit der Absicht, es nie wieder loszulassen, bis ich das Rätsel dieser Plakate endlich gelöst habe. Ich spreche natürlich von den aktuellen Plakaten der, von mir hoch geschätzten, gemäßigt rechts-bürgerlichen Partei FPÖ unter der Führung des Kameraden HC-Män. Nun ist es nicht der Inhalt, der hier zu verblüffen vermag, dieser ist vorhersehbar und offensichtlich wie eh und je. Einzig die Zeichensetzung scheint ein wenig nun..der Verwirrung anheim gefallen zu sein. So schreit es einem derzeit zum Beispiel in ganz Wien entgegen: SPÖ KASSIERT UN[GENIERT]! Okay, wie gesagt, Aussage ist klar verständlich, selbst für mich und mein drogenverseuchtes Alkoholikergehirn. Aber was um alles in der Welt sollen diese Klammern? So wie ich das verstehe, soll das ganze dann heißen: "Spö kassiert ungeniert" oder: "Spö kassiert un", wenn man das in der Klammer stehende weglässt - was allerdings das kleine Problem mit sich bringt, dass "Spö kassiert un" ungefähr den Bedeutungsinhalt eines in lauwarmen Wasser eingeweichten Weißbrotes hat (obwohl...das ist ja schon fast wieder Kunst). Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass des HC-Mäns Untertanen in der Werbebranche ein kleiner Fehler unterlaufen ist, und die Klammer stattdessen um das [un] stehen sollte - was allerdings an der Weißbrotartigkeit der Bedeutung leider nur sehr wenig ändern würde. Langer Rede kurzer Sinn, der HC-Män sollte seine Werbestrategie vielleicht nochmal überdenken. Er will doch seine Zielgrupe intellektuell nicht vollkommen überfordern, was sie zweifellos wäre, wenn diese in der Lage wäre, die Plakate zu lesen. Hmm - vielleicht doch nicht ganz ungeschickt: Er will uns wohl damit so vollends verwirren, dass wir uns als schrecklich dämlich wähnen und es darum in Erwägung zögen, seine Partei zu wählen! Sehr gefinkelt, HC-Män, seeeehr gefinkelt, aber nicht mit mir! Ich verfluche dich und gründe hiermit den VBÜVPW, den Verein zur Bekämpfung von Übermäßig Verwirrender ParteiWerbung, der es isch zum Ziel gesetzt hat, diesen und ähnlich Stumpfsinn auf ein Minimum zu reduzieren und die Parteien zu zwingen, einfach nur ihren Namen auf die Plakate zu drucken. Ein Sekundärziel meinerseits, dass allerdings nicht von allen Mitgliedern des Vereinsvorstandes mitgetragen wird, ist es, des HC-Mäns Pool mit Candirus zu bevölkern (bei Interesse bitte Wikipedia befragen).
valtl - 15. Mai, 01:55

Nicht vergessen: Wo ROT regiert, wird ab[kassiert]!

Vielleicht wird aus Eingeklammertem ein eigener Text, es ist quasi ein Sammelroman auf Plakatwänden, und ein wenig weniger zu lesen...

Kunstloses Brot - 15. Mai, 10:07

Ha, gute Idee. Den Anfang hätten wir schon: "Geniert kassiert...". Ich vermute es geht um die Abenteuer eines sich seines Berufes schämenden Fahrkartenverkäufer. Früher war er beim Zirkus, war als "EL Magnifico" in ganjz Europa bekannt für seine mehr als gewagten Nummern auf dem Trapez (ich denke hierbei an sowas wie in Fear and Loathing mal vorkommt..Baby, Nabelschnur Hammer, Hundeastronaut, alles von höchster Wichtigkeit). Aber dann hat er sich eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen und leidet unter Schilddrüsenunterfunktion, weshalb er sich jetzt diesen, ihn nicht erfüllenden Job suchen musste. Vermutlich endet das ganze mit einem Amoklauf, bei dem er mit einem Koffer in der Hand in das Krone-Gebäude in Döbling läuft und schreit: "Ich spreng uns alle in die Luft." Nur tun tut er es leider dann doch nicht.

..whatever

Just because you're paranoid, don't mean they're not after you

Neo-Gonzo'esque Seltsamkeiten und andere Absurditäten

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